Reichweite Elektroautos: ein umfassender Ratgeber mit 5 wichtigen Tipps und großem Vergleich

Reichweite Elektroautos: ein umfassender Ratgeber mit 5 wichtigen Tipps und großem Vergleich

Noch immer ranken sich diverse Mythen um Elektrofahrzeuge. Viele Menschen glauben, dass E-Autos bei kaltem Wetter nicht funktionieren oder dass plötzlich der Strom ausgeht und man irgendwo gestrandet ist. Diese Ängste sind jedoch völlig unbegründet.

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles rund um das Thema E-Auto-Reichweiten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Reichweite Ihres E-Autos erhöhen können und vergleichen verschiedene Modelle miteinander.

Richard Heijnsbroek

Richard ist Country Manager der MHC Mobility Österreich und beschäftigt sich seit über 20 Jahre mit geschäftlicher Mobilität, Autovermietung und Autoleasing

Die durchschnittliche Elektroauto-Reichweite ist in den letzten Jahren gestiegen

Die neueste Generation von Elektroautos verfügt über große Kapazitäten und schnelle Ladezeiten, sodass Sie als Besitzer in der Lage sind, sehr lange Strecken zurückzulegen, ohne lange Tankpausen einlegen zu müssen. Die genaue Reichweite kann jedoch sehr unterschiedlich sein und hängt unter anderem vom Fahrzeugtyp und der Größe der Batterie ab. Bei neueren Modellen beträgt sie mehr als 400 Kilometer, in einigen Fällen liegt sie sogar weit darüber.

Wie wird Reichweite bei Elektroautos bestimmt?

Um Reichweiten zu messen und miteinander zu vergleichen, wurde das inzwischen veralteten NEFZ-Standard (Neuer Europäischer Fahrzyklus) vor einigen Jahren durch das Messverfahren WLTP (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure) ersetzt. Bei der Entwicklung arbeiteten Experten aus der Europäischen Union, Japan und Indien zusammen.

Seit September 2017 müssen alle fabrikneuen Fahrzeuge in Europa bei Erstzulassung die WLTP-Normen durch spezielle Prüfungen erfüllen. Die Herstellerangaben beziehen sich in der Regel auf Werte, die mit diesen zertifizierten Verfahren validiert wurden, wenngleich nach wie vor manchmal sowohl NEFZ- als auch WLTP-Werte angegeben werden.

So funktioniert WLTP

Das Verfahren WLTP versucht, Fahrgewohnheiten und verschiedene Modelleigenschaften zu berücksichtigen. Dazu werden neben einer statistischen Erhebung auch Auswertungen von durchschnittlichen Nutzerprofilen durchgeführt.

Um ein genaues Bild von der Leistung eines Fahrzeugs im Durchschnitt zu erhalten, wird jedes Auto in vier verschiedenen Phasen mit unterschiedlichen Geschwindigkeitsbereichen getestet, wobei die Testumgebung genormt ist. Die Zyklusdauer beträgt stets 30 Minuten, die Strecke ist 23 Kilometer lang und die Temperatur in der Prüfkammer ist auf genau 23 Grad Celsius eingestellt. Alle verfügbaren Motor-Getriebe-Kombinationen eines bestimmten Modells werden unabhängig voneinander bewertet.

Wie hängen Reichweite und Wirkungsgrad zusammen?

Je höher der Wirkungsgrad eines Elektroautos ist, desto weiter kommen Sie mit einer Ladung. Das liegt daran, dass ein geringerer Energieverbrauch zu einer höheren Reichweite führt, ähnlich wie beim Benziner. Doch es gibt auch wesentliche Unterschiede.

Zunächst einmal fasst ein Elektroauto aufgrund der Energiedichte moderner Lithium-Ionen-Batterien deutlich weniger „Treibstoff” als sein Benzin-Pendant. Das bedeutet, dass eine 90-kWh-Batterie in einem Tesla Model S nur 10 Litern Superbenzin entspricht – und das bei einem Gewicht von rund 700 Kilogramm! Davon sollten Sie sich aber nicht täuschen lassen, denn in der Praxis sind Elektroautos wesentlich effizienter: Sie können einen Wirkungsgrad von bis zu 90 % erreichen, während er bei herkömmlichen Benzinmodellen nur etwa 25 % beträgt.

Welche Faktoren beeinflussen die Reichweite?

Ein Schlüsselfaktor ist der Energieverbrauch, gemessen in Kilowattstunden (kWh). Die Reichweite eines Elektroautos basiert auf der in der Batterie gespeicherten Energiemenge, geteilt durch die Energieverbrauchsrate. Elektroautos verwenden den Strom aus ihren Batterien nicht nur, um den Motor zu betreiben. Auch andere Komponenten, die im Betrieb Energie benötigen, greifen darauf zu. Dazu zählen die Scheinwerfer, die Klimaanlage oder das Autoradio.

Ein hoher Energieverbrauch wirkt sich negativ auf die Reichweite aus. Auch Fahrleistungen und Fahrbedingungen, wie das Gelände, tiefe Temperaturen, Tempo und Gewicht des Fahrzeugs spielen eine Rolle.

Die Reichweite hängt auch stark von der Geschwindigkeit ab. Wenn Sie mit mehr als 80 km/h fahren, steigt Ihr Verbrauch deutlich an. Außerdem können tiefe Umgebungstemperaturen zu einer Verringerung führen.

5 Tipps für eine höhere Elektroauto-Reichweite

1. Fahren Sie nicht zu schnell

Wer umsichtig fährt, verbraucht weniger. Dies gilt beim E-Fahrzeug ebenso wie beim Verbrenner. Sie können die Reichweite erhöhen, indem Sie gleichmäßig bei mittlerer Geschwindigkeit fahren und sanft beschleunigen. Umgekehrt sieht es anders aus: Hohe Geschwindigkeiten, etwa auf der Autobahn, erhöhen den Luftwiderstand indes erheblich, die Reichweite sinkt.

Tachometer

2. Lassen Sie die Klimaanlage nicht im Dauerbetrieb laufen

Wenn Sie während der Fahrt die Heizung oder die Klimaanlage durchgehend eingeschaltet haben, können Sie bis zu 25 % der Reichweite einbüßen. Nutzen Sie diese „Stromfresser” darum mit Bedacht.

Lüftungsschlitz

3. Laden Sie smart

Um Stress beim Laden zu vermeiden, ist es unerlässlich, das Auto regelmäßig und frühzeitig zu laden. Dadurch verhindern Sie nicht nur unerwartete Verzögerungen während Ihrer Reise, sondern verringern auch das Risiko von Leistungseinbußen. Denn: Schnellladungen führen mitunter zu signifikanten Temperaturanstiegen im Akku, die Ablagerungen von metallischem Lithium auf der Anode zur Folge haben können. Die kumulativen Ablagerungen wirken sich negativ auf Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit aus. Hinzu kommt, dass die Zellen beim Expressladen mit hoher Stromstärke unterschiedlich stark geladen werden und kein Spannungsausgleich erfolgen kann. Schädlich sind zudem extreme Ladestände. Um das Beste aus Ihrem Akku herauszuholen, sollten Sie ihn konsequent zwischen 20 % und 80 % halten.

4. Nutzen Sie Rekuperation

Wer bremst, verliert?

Ganz im Gegenteil: Wer bremst, gewinnt! Dank der sogenannten Rekuperation (Rückgewinnung) wird die Bremsenergie bei E-Autos nämlich wieder in die Batterie eingespeist und kann umgehend genutzt werden.

Fuss auf Bremspedal

5. Eliminieren Sie Ballast

Je mehr Gepäck, desto schwerer das Auto. Hinzu kommt, dass sperriges Gepäck auf dem Dach den Luftwiderstand erhöht. Trennen Sie sich von Ballast und packen Sie nur Dinge ein, die Sie wirklich benötigen.

Extra-Tipp: Prüfen Sie regelmäßig den Reifendruck

Wenn es um den Mindestdruck in den Reifen geht, steht bei den Herstellerangaben oft Komfort an erster Stelle. Durch minimale Erhöhung des Reifendrucks (0,2 bar) wird der Energieverbrauch gesenkt und trotzdem ausreichend Sicherheit geboten – ohne auf Fahrkomfort zu verzichten!

Luft an einem Autoreifen prüfen

E-Auto-Reichweiten im Vergleich

E-Mobilität wird zunehmend relevanter, der Markt wächst rasch. Für unseren großen Vergleich haben wir bewusst verschiedene Modelle in unterschiedlichen Größenordnungen herangezogen. Dies bietet Ihnen nicht nur einen Überblick über die aktuelle Lage, sondern hilft Ihnen auch dabei, das passende Fahrzeug mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis auszuwählen.

Auch haben wir uns entschieden, pro Hersteller jeweils nur 1 Modell mit seinen Daten anzuführen. So finden Sie in der Liste zwar den VW ID.4 Pro, aber nicht den VW ID.3 Pro (420 km Reichweite), den Hyundai Kona Elektro, aber nicht den Hyundai Ioniq 5 (Reichweite: 390 km). Aktueller Reichweiten-König ist übrigens der Mercedes EQS mit mehr als 760 Kilometern. Er kostet in der günstigsten Variante aber bereits über 107.000 Euro.

ModellSpitzenleistungBatteriekapazität (Brutto)Batteriekapazität (Netto):VerbrauchReichweitePreis
Ford Mustang Mach-E Extended Range294 PS, 216 kW98,7 kWh 88,0 kWh16,5 kWh/100 km620 kmab 62.950 Euro
BMW i4 eDrive40340 PS, 250 kW83,9 kWh83,9 kWh 80,7 kWh16,3 kWh/100 km584 kmab 59.200 Euro
Tesla Model Y Maximum Range AWD514 PS, 378 kW79 kWh77 kWh16,9 kWh/100 km533 kmab 56.990 Euro
Audi Q4 e-tron S line204 PS, 150 kW82,0 kWh77,0 kWh17,5 kWh/100 km530 kmab 56.500 Euro
Skoda Enyaq iV 80204 PS, 150 kW82 kWh67 kWh16,3 kWh/100 km529 kmab 42.100 Euro
VW ID.4 Pro Performance Max204 PS, 150 kW82,0 kWh77,0 kWh17,7 kWh/100 km508 kmab 58.820 Euro
Hyundai Kona Elektro204 PS, 150 kW67,0 kWh64,0 kWh14,7 kWh/100 km484 kmab 45.700 Euro
KIA EV6 (77,4 kWh)229 PS, 186 kW77,4 kWh74 kWh18,6 kWh/100 km470 kmab 50.990 Euro
Mercedes-Benz EQB 250190 PS, 140 kWh69,7 kWh66,5 kWh16,4 kWh/100 km470 kmab 53.490 Euro
Renault Megane E-TECH Equilibre EV60218 PS, 160 kW60 kWh55 kWh16,1 kWh/100 km450 kmab 46.600 Euro
Cupra Born Alpha 58204 PS, 150 kW62 kWh58 kWh15,5 kWh/100 km423 kmab 35.390 Euro

Die Reichweite von Elektroautos bietet keinen Grund zur Sorge

Niemals hat sich der E-Auto-Kauf oder die Miete eines E-Autos mehr gelohnt als heute, und das nicht nur aufgrund der großzügigen E-Auto-Förderung. Reichweitenangst war einst ein Hauptgrund, um nicht auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen. Dank der rasanten Fortschritte in der Technologie ist dieses Argument heute aber nicht mehr gültig.

Inzwischen gibt es viele leistbare Modelle, die mit nur einer Ladung Hunderte von Kilometern zurücklegen können. Das macht sie zu einem zuverlässigen und leicht zugänglichen Verkehrsmittel.

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