Von der Anschaffung bis zur Privatnutzung: Ihr großer Leitfaden zum Firmenauto in Österreich

Leitfaden Firmenauto Österreich

Letzte Aktualisierung am 18. Oktober 2023

Von der Anschaffung bis zur Privatnutzung: Ihr großer Leitfaden zum Firmenauto in Österreich

Die Investition in ein Firmenauto ist eine der wichtigsten, die ein Unternehmen tätigen kann. Sie beeinflusst nicht nur Mobilität und Effizienz, sondern auch die Unternehmenskultur und das Image.

In diesem Leitfaden bieten wir Ihnen einen umfassenden Überblick über alle relevanten Aspekte rund um das Thema Firmenwagen, von der Anschaffung über die Finanzierung bis hin zur privaten Nutzung.

Richard Heijnsbroek

Richard ist Country Manager der MHC Mobility Österreich und beschäftigt sich seit über 20 Jahre mit geschäftlicher Mobilität, Autovermietung und Autoleasing

Definition: Was ist ein Firmenauto?

Ein Firmenauto oder Dienstwagen ist ein Personenkraftwagen (Pkw), der hauptsächlich für Dienstfahrten (geschäftliche Zwecke wie Kundenbesuche oder Dienstreisen) genutzt wird.

Häufig wird Arbeitnehmern zur Erbringung ihrer Arbeitsleistung ein solches Firmenfahrzeug vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt. Um steuerlich als Firmenauto anerkannt zu werden, muss das Fahrzeug dem Betriebsvermögen des Unternehmens zugeordnet werden.

Hierfür gelten in Österreich bestimmte Kriterien: Ein Firmenfahrzeug kann dem Betriebsvermögen zugeordnet werden, wenn es zu mindestens 10 Prozent für betriebliche Fahrten genutzt wird.

Beträgt die betriebliche Nutzung mehr als 50 Prozent, wird das Fahrzeug automatisch dem Betriebsvermögen zugeordnet.

Was ist der Unterschied zwischen Dienstwagen und Firmenwagen?

Sowohl aus steuerrechtlicher als auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht gibt es keinen Unterschied zwischen einem Dienstwagen und einem Firmenwagen.

Das ist vor der Anschaffung eines Firmenautos zu beachten

Die Wahl eines Firmenautos ist mehr als die Entscheidung zwischen Diesel , Benziner oder E‐Auto, Limousine oder Kombi. Es handelt sich um eine Weichenstellung, die für Ihr Unternehmen weitreichende Konsequenzen haben kann, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Bezug auf das Image. Deshalb ist es wichtig, sorgfältig zu planen und verschiedene Faktoren bzw. Informationen in die Entscheidung einzubeziehen.

Neuwagen oder Gebrauchtwagen: eine Grundsatzentscheidung

Ein Neuwagen hat den Vorteil, dass er in der Regel mit einer Garantie kommt und man sich keine Sorgen um eventuelle Mängel oder Reparaturen machen muss. Allerdings ist die Anfangsinvestition oft höher als bei einem Gebrauchtwagen. Andererseits ist ein Gebrauchtwagen in der Anschaffung meist günstiger, kann aber versteckte Kosten in Form von Reparaturen oder Unterhalt mit sich bringen.

Verbrauch, Zuverlässigkeit, Image

Ein sparsames Firmenauto kann langfristig viel Geld sparen. Wie steht es mit der Zuverlässigkeit? Ein zuverlässiges Fahrzeug reduziert das Risiko von Pannen und die damit verbundenen Kosten. Und

nicht zuletzt: Passt das Auto zum Image Ihres Unternehmens? Eine Luxuskarosse macht zwar Eindruck, ist aber nicht für jedes Unternehmen geeignet.

Spezielle Anforderungen

Je nach Art Ihres Unternehmens gibt es auch spezielle Anforderungen an den Firmenwagen.

Benötigen Sie viel Stauraum für Waren oder Geräte? Oder ist eine hohe Anhängelast wichtig, weil Sie zum Beispiel regelmäßig schweres Material transportieren müssen? Alle diese Faktoren sollten Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigen.

Firmenauto kaufen, leasen oder mieten: In welcher Form sollte die Anschaffung erfolgen?

Die Entscheidung über die richtige Form der Fahrzeugbeschaffung kann für Ihr Unternehmen eine komplexe Herausforderung darstellen. Neben den Anschaffungskosten müssen auch die langfristigen Kosten für Wartung, Versicherung und Wertverlust berücksichtigt werden.

Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, stellen wir Ihnen hier die drei wichtigsten Möglichkeiten vor.

Direktkauf – Kontrolle, aber hohe finanzielle Belastung

Beim Direktkauf haben Sie die volle Kontrolle über das Fahrzeug, es gehört Ihnen bzw. Ihrem Unternehmen. Sie sind nicht an langfristige Verträge gebunden. Allerdings erfordert diese Methode

eine hohe Anfangsinvestition, die die Liquidität Ihres Unternehmens belasten kann. Hinzu kommen laufende Kosten, beispielsweise für Wartung und Versicherung.

Leasing – geringe Anfangskosten, aber hohe Bindung

Leasing ermöglicht die Nutzung eines Fahrzeugs ohne große Anfangsinvestition. Allerdings sind Sie in der Regel an längere Vertragslaufzeiten gebunden, die Ihre finanzielle Flexibilität einschränken.

Zudem können unerwartete Kosten für Mehrkilometer oder Schäden am Fahrzeug anfallen.

Langzeitmiete – Flexibilität und Planbarkeit

Eine moderne Alternative zu den genannten Möglichkeiten ist das sogenannte Auto‐Abo. Hier fallen keine hohen Anfangsinvestitionen an, sondern nur eine monatliche Gebühr. Diese Modelle sind oft kurzfristig anpassbar, sodass Sie schnell auf veränderte betriebliche Anforderungen reagieren können. In der Regel gehen Sie keine langfristigen Verpflichtungen ein, sondern bleiben flexibel.

 

Die Vorteile der Auto‐Langzeitmiete auf einen Blick:

 

  • Kapitaleffzienz: Wenn Sie sich für die Langzeitmiete entscheiden, müssen Sie keine hohen Anfangsinvestitionen tätigen. Stattdessen zahlen Sie eine überschaubare monatliche Gebühr für die Nutzung der So können Sie Ihr Kapital anderweitig im Unternehmen einsetzen und verfügen dennoch über einen zuverlässigen Fuhrpark.
  • Einfache Kostenplanung: Die Mietkosten sind kalkulierbar und erleichtern so Ihre Bei vielen Anbietern sind Kfz‐Steuer, Versicherung, Wartung und Reparaturen in der monatlichen Rate enthalten. In diesen Fällen müssen Sie neben der monatlichen Mietgebühr nur noch für den Kraftstoff aufkommen. Das erleichtert die finanzielle Planung.
  • Weniger Verwaltungsaufwand: Ein Auto‐Abo reduziert den Verwaltungsaufwand im Flottenmanagement erheblich. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Ressourcen, die Sie in Ihr Kerngeschäft investieren können.
  • Bilanzneutralität: Bei diesem Modell haben Sie oftmals die Möglichkeit, aktuelle Fahrzeugmodelle mit neuester Technologie zu Dies fördert nicht nur ein positives Unternehmensimage, sondern erhöht auch den Komfort und die Sicherheit für Ihre Mitarbeiter.
Frau präsentiert einen Firmenwagen

Firmenauto privat nutzen? Das müssen Sie wissen!

Für Arbeitnehmer und EPU ist ein Firmenwagen vor allem dann von Vorteil, wenn auch Privatfahrten damit erlaubt sind. So können die Kosten für einen Privatwagen eingespart werden.

Wird der Firmenwagen für private Zwecke genutzt, einschließlich der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, erhöht sich die Bemessungsgrundlage für die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsbeiträge.

Die private Nutzung eines Dienstwagens gilt in Österreich als Sachbezug und ist daher steuerpflichtig.

Was versteht man unter Sachbezügen?

Unter Sachbezügen versteht man geldwerte Vorteile, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt zur Verfügung stellt. Im Arbeitsvertrag kann festgelegt werden, auf welche Sachbezüge der Arbeitnehmer Anspruch hat und welchen finanziellen Beitrag er dafür leisten muss, sei es durch direkte Auszahlung oder durch Abzug vom Nettolohn.

Als Arbeitgeber sollten Sie darauf achten, die gesetzlichen Vorgaben korrekt umzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist der Mindestlohn in Kollektivverträgen in Geld festzulegen. Das bedeutet, dass Sachbezüge nicht auf das Mindestentgelt angerechnet werden dürfen.

Der Sachbezugswert eines Dienstwagens ergibt sich aus dem geldwerten Vorteil, den der Arbeitnehmer gemäß § 15 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) durch die private Nutzung des Fahrzeuges erlangt.

CO₂‐Emissionen spielen eine wichtige Rolle

Zur privaten Nutzung zählen auch Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

Der monatliche Sachbezugswert beträgt in der Regel 2 % der Anschaffungskosten des Fahrzeugs (einschließlich Umsatzsteuer), höchstens jedoch 960 Euro pro Monat.

Liegt der CO₂‐Ausstoß des Fahrzeugs unter einem festgelegten Grenzwert, verringert sich der monatliche Sachbezugswert auf 1,5 % des Kaufpreises, höchstens jedoch auf 720 Euro. Der genaue CO₂‐Grenzwert hängt vom Datum der Erstzulassung des Fahrzeugs ab.

Seit April 2021 wird der CO₂‐Ausstoß nach dem WLTP‐Standard gemessen, zuvor galt das NEFZ‐ Verfahren. Entsprechende Angaben werden in der Zulassungsbescheinigung oder im Typenschein vermerkt.

Wird das vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Firmenauto im Jahresdurchschnitt nicht mehr als 500 km pro Monat privat gefahren, reduziert sich der geldwerte Vorteil auf die Hälfte des üblichen Wertes.

Bei sehr seltener privater Nutzung des Firmenwagens ist auch eine kilometergenaue Abrechnung möglich. Arbeitnehmer sollten daher immer die gefahrenen Kilometer in Fahrtenbüchern aufzeichnen.

E‐Autos bieten besondere Vorteile

Fahrzeuge mit einem CO₂‐Emissionswert von 0 Gramm pro Kilometer, beispielsweise E‐Autos, E‐ Bikes, E‐Scooter und Fahrräder, sind vollständig von der Sachleistung befreit. Diese Regelung gilt jedoch nicht für Hybridfahrzeuge und Elektrofahrzeuge mit Range Extender.

 

Seit 2023 gelten vereinfachte Regeln für das Aufladen eines privat genutzten E‐Firmenautos:

  • Kostenloses Laden am Arbeitsplatz ist steuerfrei.
  • Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für das Laden an öffentlichen Ladestationen, fallen keine Steuern oder Abgaben an.
  • Die Kosten für das Laden zu Hause kann der Arbeitgeber auf Basis eines festgelegten durchschnittlichen Strompreises (22,247 Cent/kWh im Jahr 2023) steuerfrei erstatten. Ist eine genaue Zuordnung nicht möglich, sind bis zu 30 Euro pro Monat steuerfrei.
  • Die Kosten für die Installation einer heimischen Ladestation können bis zu einem Wert von 2.000 Euro steuerfrei vom Arbeitgeber übernommen werden. Darüber hinausgehende Beträge gelten als geldwerter Vorteil.

 

Die geltenden CO₂‐Emissions‐Grenzwerte in Österreich

Datum der ErstzulassungGrenzwert
vor 2017130 g/km (NEFZ)
2017127 g/km (NEFZ)
2018124 g/km (NEFZ)
2019121 g/km (NEFZ)

Datum der ErstzulassungGrenzwert
vor 2017130 g/km (NEFZ)
2017127 g/km (NEFZ)
01.01. bis 31.03.2020118 g/km (NEFZ)
ab 01.04.2020141 g/km (WLTP)

Datum der ErstzulassungGrenzwert
vor 2017130 g/km (NEFZ)
2017127 g/km (NEFZ)
2021138 g/km (WLTP)
2022135 g/km (WLTP)

Datum der ErstzulassungGrenzwert
vor 2017130 g/km (NEFZ)
2017127 g/km (NEFZ)
2023132 g/km (WLTP)

Das Firmenauto kann eine wertvolle Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens sein

Die Anschaffung eines Firmenautos ist eine weitreichende Entscheidung, die von vielen Faktoren beeinflusst wird. Neben finanziellen Aspekten spielen auch betriebliche Anforderungen und steuerliche Überlegungen wie der Sachbezug und die Luxustangente eine wichtige Rolle.

Ein Firmenwagen kann für Mitarbeiter eine attraktive Zusatzleistung sein, bringt aber auch Verantwortung und Pflichten mit sich. Es ist wichtig, alle Faktoren sorgfältig abzuwägen und die beste Lösung für Ihr Unternehmen zu finden.




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